Autorin deines Lebens Newsletter #15: Selbstfürsorge neu denken: Ruhe und Liebe müssen nicht verdient werden
| Vor rund drei Jahren, im September 2022, sass ich in unserem stylischen Wohnzimmer in der teuren Attika-Wohnung und konnte mich nicht mehr beruhigen. Ich weinte nur noch. Die Tränen flossen, und ich hatte das Gefühl, ich habe mich komplett verloren. Verloren. Traurig. Kein Quäntchen Selbstwirksamkeit konnte ich mehr nachspüren in mir. Hallo wo bist du? Eine weitere Träne kullert unkontrolliert runter. Ich stand kurz vor meinem 33. Geburtstag und dem 1. Geburtstag meines Sohnes. Während des Mutterschutzes und der Info, dass mein Team weg war, hatte ich mutig meine Stelle gekündigt, mit meinem Sohn an der Brust Bewerbungsgespräche geführt (das fühlte sich damals revolutionär an!) und mich schliesslich auf ein neues Abenteuer eingelassen: 90% bei einem Scale-Up im Gesundheitsbereich in Zürich, 4 Arbeitstage, mit dem spannenden Titel Squad Lead. Mein Partner Matt und ich teilten uns alles 50/50, mein Traum war wahr geworden. Wunderbar fand ich (und mein Ego). Ein halbes Jahr später war ich emotional gefühlt am Ende. Weshalb fühlte ich mich so schrecklich verloren? Ich wusste es schlicht nicht. Heute ist es mir so klar (und dir vielleicht auch während du das liest): Ich hatte mir so unglaublich viel abverlangt – ohne passende Basis und Ressourcen. Ich war komplett überfordert mit den neuen Rollen, den hormonellen Veränderungen, meiner sich wandelnden Identität – und all den Bedürfnissen, die ich lange verdrängt hatte. Ich wusste und kümmerte mich nicht um meine Feinfühligkeit und Intensität, ich hatte mich über Leistung und Machen definiert. Die Frage «Warum?» war nutzlos. Die innere Kritikerin wurde nur noch lauter. So gross, dass ich mich kaum noch zu irgendetwas bewegen konnte – nach all den Jahren, in denen ich grösstenteils produktiv, leistungsfähig und verantwortungsbewusst war. „Pia Pressure“ und „Pushy Pia“ – zwei Übernamen, die ich in meiner Prä-Mama-Zeit gehört hatte machten mich damals sogar stolz. Jetzt war ich selbst Opfer geworden davon. Das war mir irgendwie klar. Da richtete ich mich etwas auf und fragte mich: Was nun? Wie konnte ich aus diesem Gefühl der Ohnmacht wieder in meine Kraft – und in meine Freude – zurückfinden? Ich tat, was ich am besten konnte: Ich startete ein Projekt. Dieses Mal sollte es um mich gehen. Ein kleiner Funken Selbstwirksamkeit meldete sich. Tata! Ich kündigte meinen Job – ohne Anschlusslösung. Und plötzlich fühlte ich mich wieder ein wenig in control. Diese Energie nutzte ich direkt am nächsten Tag: Ich setzte mein erstes Solo-Projekt auf. Lass uns kurz innehalten. Das war und ist keine Empfehlung, sondern einfach meine damalige Art, wieder Autorin meiner eigenen Geschichte zu werden. Eine energieintensive, nicht immer umsichtige Art, mit dem Schmerz umzugehen. Ich konnte diese unangenehmen Gefühle damals nicht lange halten. Wie dem auch sei – als Start erstellte ich eine Exceltabelle mit dem Titel: „Projektplan Authentisches Leben“. Und ja – ich habe dieses Excel tatsächlich wiedergefunden, tief in den Untiefen meines Google Drives. 🙈 |

| Bei der Durchsicht meines damaligen Plans musste ich schmunzeln: Wow welche Energie ich da freigesetzt hatte nach diesem Sofa-Wein-Moment! Wieder ein Beweis dafür, dass dort, wo wir Unbehagen spüren, auch der Schlüssel zur Lösung liegt. Ich sehe heute, dass das meine Art war, mich zu sorgen mit den Fähigkeiten, die ich damals hatte. Und es berührt mich, das rückblickend zu erkennen. Gleichzeitig merkte ich: Ich brauche (wieder) Hilfe von aussen. Dieses Mal keine Coachin, sondern eine Psychotherapeutin. Auch das war Selbstfürsorge – um Unterstützung zu bitten, als ich sie brauchte.Sie nannte es Depression und Angst. Das war einerseits entlastend, andererseits eine Einladung, noch tiefer hinzuschauen: Was brauche ich wirklich? Wer tut mir gut?Welche Verstrickungen zu meiner Familie wollen aufgelöst werden?Welche Pause, welche Integration, welche neue Haltung ruft mich? Es war revolutionär für mich, mich in dieser Tiefe um mich zu kümmern. Ich begann wieder zu spüren, meine Grenzen wahrzunehmen, meine Bedürfnisse kennenzulernen. Die Puzzleteile fügten sich langsam zu einem klareren Bild… Nach sechs Sitzungen meinte meine Therapeutin, ich komme jetzt gut zurecht. Zuerst fühlte sich das wie ein Rauswurf an – dann wie eine Einladung: Noch mehr Selbstwirksamkeit und Selbstfürsorge. Noch mehr Vertrauen in mich und diese Einladung wollte ich annehmen. Die Zeit war reif. Selbstfürsorge ist ein Akt von Verantwortung und Liebe. 💛 Wie sorgst du für dich?Was möchtest du dir geben und hältst dich vielleicht noch zurück? Ich finde wir sollten mehr darüber sprechen und lernen, miteinander. Ich wünsche dir von Herzen ein erholsames Wochenende und dass du gut für dich sorgst. Ruhe und Liebe musst du dir nicht verdienen. Du darfst sie dir einfach geben. Du darfst. Du kannst. Herzlichst und alles Liebe für dich 💛 Pia |
