10 Learnings aus einem Jahr Leadership-Praxis und dem Co-Active Leadership Programm

In den letzten Tagen hat sich für mich ein Kreis geschlossen. Ich habe das einjähriges intensive Co-Active Leadership-Programm abgeschlossen. Ein Weg, der mich weniger über Konzepte geführt hat als über ganz viel Selbsterfahrung, Beziehungsgestaltung und ehrliches, manchmal auch unbequemes Hinschauen. Es gab Aufs und Abs. Momente von Weite, Klarheit und Verbundenheit und Phasen von Zweifel, Enge und innerem Ringen. Begegnungen, die mich genährt haben. Und solche, die mich an meine Grenzen geführt haben.

Ich möchte 10 Learnings daraus mit dir teilen. Ihre wahre Tiefe entfalten sie jedoch erst, wenn wir sie leben, nicht nur lesen oder schreiben. Erkenntnis ist dennoch immer der erste Schritt :).

Diese Learnings sind nicht an ein Programm oder an eine Rolle gebunden. Sie wirken überall dort, wo du Verantwortung trägst für dich, für andere, für dein Leben. Ein Grundprinzip dieses Leadership Trainings ist: Everyone is a leader. Es ist keine Rolle, es nichts was andere entscheiden und dir als Verantwortung übertragen, es ist alleine deine Wahl.

Bist du eine Autorin deines Lebens?

1. Vereinbarungen

Jede Beziehung lebt von Vereinbarungen, die Kunst ist es diese gemeinsam zu gestalten und mit Weichheit zu tragen. Das gibt eine gemeinsame Richtung, ein Framework, das den Rahmen hält in Zeiten des «Sturms», die früher oder später kommen werden. Es geht nicht darum, diese Vereinbarungen rigide einzuhalten. Sondern darum, wenn sie verletzt werden oder ins Wackeln geraten, das Gespräch zu suchen und zu verstehen, was die Beziehung wieder stabilisieren kann und was das System jetzt braucht um diese wieder zu revitalisieren und das gemeinsame Verständnis weiterzuentwickeln, was diese Vereinbarungen bedeuten.

Explizite Vereinbarungen schaffen sowohl
Freiheit wie auch Verbindung.

2. Vertrauen aufbauen

Einige von uns bringen Vertrauen scheinbar einfach mit. Und die meisten von uns dürfen lernen, wirklich zu vertrauen. Die Idee ist simpel: Wir gewinnen meist nichts, wenn wir nicht vertrauen. Umgekehrt ermöglicht Vertrauen sehr viel. Wie also Vertrauen stückweise aufbauen? Indem wir Erfahrungen suchen und machen, die unserem ganzen System melden:
JA, du darfst und kannst vertrauen. In dem wir etwas mehr teilen, etwas mehr von uns zeigen in einem für uns gefühlt sicheren Rahmen… Jeder Schritt bringt uns näher zu mehr Vertrauen, der sich dann übertragen lässt in verschiedene Settings.

3. Um Hilfe bitten

Um Hilfe zu bitten und zwar ohne zu spezifisch zu werden, ist ein fundamentaler Leadership-Skill. Es klingt einfach, und doch fällt es vielen schwer. Wir fühlen uns inkompetent oder zweifeln, ob und wen wir überhaupt fragen dürfen und können. Und schon beginnt das Gedankenkarussell, die Präsenz geht verloren.

Sag Bescheid, wo du anstehst.
Teile deine Herausforderung und dein Anliegen.

Wenn das gerade nicht geht, frag dich:

Wie kann ich noch mehr Vertrauen aufbauen?
Welche Vereinbarung würde mir dabei helfen?

4. Führung ist immer zuerst Selbstführung

Führung wurzelt immer zuerst in der Selbstführung. Von dort aus kann Führung im Aussen entstehen und immer wieder «äs Bödeli finde». Das Schönste, was ich dazu mitnehme, sagte eine Kollegin im Programm zu mir: Wo ist dieser Ort in mir, an dem ich mich voll akzeptiere und voll in meiner Selbstautorität bin? Ein Ort, an dem ich mir selbst die volle Erlaubnis gebe, zu sein und zu handeln, wie ich bin und mich mit all meinen Anteilen annehme.

Selbstführung entsteht dort, wo Selbstakzeptanz und Selbstautorität zusammenkommen.

5. Beziehung als Spiegel

In Beziehungen wird uns der Spiegel vorgehalten und zwar ständig. In Gruppen gibt es entsprechend viele Spiegel und viele Möglichkeiten, sich selbst besser kennenzulernen, dieses Programm hat ganz viel davon enthalten: 17 Menschen über 1 Jahr als Spiegel zu haben. Deshalb war das Learning 4 besonders wichtig. Überall dort, wo wir andere verurteilen oder getriggert reagieren und unsere innere Mitte / «ds Bödeli» verlieren, zeigt sich ein Thema, das wir anschauen und transformieren können. Das wird ein Geschenk, wenn wir die Ressourcen und Kapazitäten dazu aufgebaut haben, das entgegen zu nehmen. Und auch eine ständige Herausforderung, die Balance zu halten zwischen Entwicklung und einer soliden Selbstführung.

6. Co-Creation ist eine Art „Delicious Fusion“

Das Foto oben in diesem Newsletter ist aus meinem Auge entstanden und dem einer Kollegin aus dem Programm. Für mich ist es eine kunstvolle Darstellung dessen, was entsteht, wenn wir einen Raum betreten, der sich wie eine Fusion anfühlt und plötzlich durch Ko-Kreation und gemeinsame Führung mehr möglich ist mit weniger (Energie-)aufwand. Wenn wir nicht mehr nur aus uns selbst heraus führen und gestalten, sondern auch aus der Energie und Einzigartigkeit der anderen Person.

Co-Creation beginnt dort, wo ich mich nicht verliere
und du dich nicht zurückhältst. Das ist «Magic Fusion».

7. Less Prep, more Presence

Wir sind stark auf Vorbereitung sozialisiert, damit wir „gut dastehen“ und „alles im Griff“ haben. Hallo Perfektionismus. Zusätzlich kommen dann di vielen Erwartungen und Ideen dazu, die man eben mal so mitbringt. Was wir dabei oft verlieren, ist die Möglichkeit wahrzunehmen, was sich aus einer Begegnung oder einem Gespräch wirklich ergibt. Das setzt voraus, dass wir uns selbst gut kennen und die Präsenz haben, das JETZT wahrzunehmen, und unsere Vorbereitung auch mal zur Seite zu legen und mit Offenheit zu gestalten aus dem was entstehen will.

Präsenz ist keine Abwesenheit von Vorbereitung
sondern die Fähigkeit, sie loszulassen.

8. STAY-STAY-ACT

Unser gängiges Leadership-Paradigma sieht oft so aus: Informationen aufnehmen und schnell handeln und in die Umsetzung bringen. Verändern, anstossen, bearbeiten. Wirst du nicht genau dafür bezahlt?! Moment mal.. Was dabei verloren geht, ist die Wahrnehmung dessen, was IST und was sich bereits verändert ohne unser Zutun. Was braucht das System wirklich jetzt?

Die Einladung hier:
Zwei Portionen STAY.
Und eine Portion ACT.

Besonders für all jene unter uns, die einen starken Action Bias haben (und die liegt ja auch kulturell schon gut verankert), ist das eine echte Herausforderung. Das Rezept STAY-STAY-ACT lässt sich auch gut auf Emotionen, Situationen anwenden: Beobachten, wahrnehmen und und erst dann handeln. Das bringt uns aus dem reaktiven Verhaltensmuster raus und rein in die Gestaltung.

9. Multidimensionales Leadership-Modell

Leadership ist nicht nur Visionen deklarieren, Schritte definieren und andere motivieren, beizutragen. Was mich am Co-Active Leadership Modell und diesem Programm so angesprochen hat, ist die Idee, dass Leadership immer multidimensional ist – und dass wir die Dimension jederzeit wechseln können. Während Rollen klar definiert sind, bleibt Leadership agil und anpassungsfähig. Sehr oft wird Führung als «Führung von oben und von vorne» verstanden, das Co-Active Leadership Modell ergänzt das durch das Verständnis, das Führung auch andere Dimensionen hat: Self, Behind, In the Field und Behind. Die Kunst der Führung ist es adaptiv zu handeln und dem System das zu geben, was es jetzt braucht um optimal zu funktionieren und zu wachsen. Dabei ist das Self Leadership die Basis für alle Dimensionen.

Leadership hat viele Dimensionen,
die Frage ist «Was braucht das System jetzt?».

10. POF: Present, Open & Flexible

Führung findet in einem komplexen Ganzen statt. Die Welt ist voller Ambiguität und herausfordernder Situationen. Unvorhersehbarkeit ist dabei ein zentrales Stichwort. Im Unternehmertum, als Eltern, als Mensch, stehen wir ständig vor unsicheren, unklaren und widersprüchlichen Situationen. Was kommt, kommt erst noch. Der innere Ort, zu dem wir als Autorinnen unseres Lebens immer wieder zurückkehren können und von dort aus sich alles gestalten lässt, nennt sich POF: Present. Open. Flexible. Also Präsenz, Offenheit und Flexibilität.

Welches dieser Learnings spricht dich an?
Wie erlebst du das in deinem Alltag?

Teile deine Gedanken mit mir, ich freue mich sehr, von dir zu lesen.