Autorin deines Lebens Newsletter #18: Gesunder Optimismus – und wie wir ihn kultivieren
Mit welchen Einstellungen und Glaubenssätzen bist du gross geworden? Hat dein Herkunftssystem eher Pessimismus, Realismus oder gesunden Optimismus gefördert? Und was hast du seither in dir weiterentwickelt?
Vor wenigen Tagen wurde mir mein ehemaliges Glaubenssystem wieder sehr bewusst. Ich war mit meiner Mutter im Billy Elliot Musical und habe mich riesig gefreut. Und plötzlich war da dieses alte, vertraute Gefühl und Denken, mit dem ich aufgewachsen bin: Hinter jeder Ecke eine kleine Herausforderung oder etwas, was (angeblich) nicht funktioniert.
Früher war ich überzeugt, dass ich so Enttäuschung verhindern kann. Dass ich besser vorbereitet bin, wenn ich erst einmal vom Schwierigen ausgehe. Heute sehe ich klar: Für mich wurde das zu einer jahrelangen Gewohnheit, die mich zuerst schützte und dann vor allem klein gehalten hat.
Wie so oft bin ich dann – mit dem Pendel – etwas in die andere Richtung ausgeschlagen (vielleicht kennst du das auch von dir): Ich wollte am liebsten alles «nur noch positiv» sehen, den Rest ignorieren, das Unangenehme ausblenden. Etwas blind, ein bisschen zu viel „Hey alles super und wird schon gut, alles wird schon klappen“.
Was ich seither lernen und kultivieren konnte – und weiter mache –, ist ein gesunder Optimismus. Was meine ich damit? Eine bewusste Entscheidung, die Realität leicht positiv zu verzerren im Wissen, dass meine Haltung mein Handeln, meine Stimmung und meine Verbindung zu mir und der Welt und meinen Mitmenschen stark beeinflusst.
Es macht für mich einfach mehr Sinn – auch psychologisch –, vom Guten, vom Möglichen, von einem guten Outcome auszugehen und parallel die Risiken und potentiellen Beschränkungen zu verstehen.
Ich freue mich sehr, wenn mir mein Sohn meine gelebte Haltung spiegelt und zu mir sagt: „Du schaffst das.“ „Wir finden einen Weg.“.
Optimismus bedeutet nicht, Herausforderungen oder Risiken zu ignorieren. Optimistinnen erkennen Probleme und gehen sie aktiv an, gerade weil sie an ihre Fähigkeiten glauben. Und die Forschung zeigt, dass Optimismus eng verknüpft ist mit Wohlbefinden, Resilienz und sogar körperlicher Gesundheit.
Optimismus macht also sehr viel Sinn. Ich sage, dass auch weil einige meiner Kundinnen manchmal an ihrem Optimismus zweifeln, sie haben Angst als «naiv» zu gelten. Deshalb finde ich es wichtig den Grund zu betonen weshalb Optimismus eine solch positive Wirkung auf viele Bereiche unseres Lebens haben kann:
Ein Grund dafür ist die selbsterfüllende Prophezeiung: Was wir denken und erwarten, beeinflusst unser Verhalten und somit das Resultat.
Wie also kannst du gesunden Optimismus und positives Denken lernen und kultivieren? Durch Praxis. Durch Bemerken. Durch Wiederholen. Hier ein paar Ansätze, die ich mag:
Bewusster Fokus
Du richtest bewusst deinen Fokus aus auf das Positive, Schöne und Bereichernde. Eine Möglichkeit ist es, täglich drei Dinge zu benennen, die gut waren. Du schulst damit deinen Blick für das was klappt, was gut läuft und was da ist in deinem Leben.
Du kannst das ganz klassisch als Dankbarkeitstagebuch machen oder deine eigene kreative Variante finden. Zum Beispiel ein Familienritual daraus gestalten (wir machen das meist kurz vor dem Einschlafen), oder eine Freundin oder einen Freund fragen, ob ihr euch das gegenseitig täglich oder wöchentlich per WhatsApp schreibt.
Was ist eine lustvolle und spielerische Variante
von Dankbarkeit und bewusstem Fokus für dich? Probiere aus.
Bewusste Dosis News
Deine «Nachrichten-Dosis» reduzieren. Jede negative Schlagzeile färbt die innere Brille. Also spiel damit: 1x pro Woche News? Täglich 15 Minuten? Vielleicht mal eine Woche oder einen Monat testen, was in dir passiert, wenn die Brille sich nicht (oder weniger) verfärbt von negativen Schlagzeilen.
Bewusstheit für deine Wirksamkeit
Führe dir deine eigene Wirksamkeit vor Augen. Erinnere dich an vergangene Ziele und Prozesse, die du erfolgreich erreichst, abgeschlossen und integriert hast. Und nimm bewusst Kontakt auf zu Menschen, die ähnliche Wege geschafft haben wie du sie dir wünscht – das stärkt dich.
Lerne Rückschläge als Teil des Lernprozesses zu sehen. Lerne für dich anzuerkennen, was dein Verhalten beigetragen hat bei Erfolgen und so wie auch bei Rückschlägen. So wächst deine Wirksamkeit und im gleichen Zug auch dein Optimismus.
Umgang mit nicht-hilfreichen Gedanken
Gedanken, die Energie rauben statt geben, werden kommen. Sie gehören dazu. Also statt zu fragen „Wie werde ich sie los?“ lieber «Wie gehe ich mit ihnen um, wenn sie auftauchen?«
Der wichtigste Schritt ist, sie überhaupt zu bemerken. „Ah, da bist du wieder.“ Und oft reicht dieses Bewusstsein schon – der Gedanke verliert an Schwere. Manchmal zieht er einfach weiter wie eine Wolke, ohne dass du etwas tun musst. Und hier ist ein möglicher neuer Gedanke:
«Ich schaffe das. Ich finde einen Weg. Nicht, weil ich alles kann – sondern weil ich Verantwortung übernehme und einen nächsten Schritte gehe. Nicht perfekt. Aber vorwärts.»
Und du kannst das auch kombinieren mit dieser Mini-Übung, die ich sehr mag um mich innerlich zu erfrischen und neu auszurichten:
Mini-Übung: Klärendes Wasser
Nimm ein paar bewusste Atemzüge. Stell dir vor, wie über deinem Kopf ein klarer, kühlender Wasserstrahl nach unten rinnt. Ganz sanft. Er nimmt nichts von dir weg, er reinigt nur das, was du nicht mehr tragen willst. Und mit jedem Atemzug wird es ein bisschen leichter, ein bisschen durchsichtiger, ein bisschen ruhiger in dir.
Ich merke oft dankbar, wie sehr mich mein gesunder Optimismus trägt. Nicht als rosarote Brille, sondern als feines inneres Ja zum Leben, als tiefes Vertrauen in Wege und Möglichkeiten – im Bewusstsein der Realität. Was möchtest du?
Welche Haltung will ich leben?
Welche Realitäts-Brille will ich kultivieren?
In diesem Sinn wünsche ich dir ein Wochenende, das dir gut tut – mit Raum für Leichtigkeit, mit Momenten der Dankbarkeit, Ruhe und Freude.
Und mit dem Gefühl von: Ich habe immer wieder die Wahl für Optimismus und positives Denken. Nicht als grosser, perfekter Entschluss, sondern in den kleinen, ehrlichen Momenten.
Von
