Autorin deines Lebens Newsletter #20: 🌊 Meine Geschichte mit dem (kalten) Wasser – und was sie für dich bedeuten kann
Meine erste Begegnung mit dem klirrend kalten Zürisee war 2015 – ein Sprung aus reiner Experimentierfreude. Ich lebte noch nicht lange in Zürich, wohnte plötzlich in Seenähe und joggte oft am Ufer entlang. Kein Plan, keine Methode. Nur mein Impuls: Ich will in den kalten See und schwimmen.
Wann bist du zuletzt einem Impuls gefolgt?
Was hast du dabei entdeckt?
Aus dem spontanen «Probieren» wurde in den letzten zehn Jahren eine unregelmässige, und wieder kehrende Praxis – mal allein, mal in der Gruppe. Besonders schön in Erinnerung blieb mir das Winter-Schwimmen in Thalwil, wo wir als Gruppe Lieder sangen, das wärmte speziell gut auf von innen: Verbindung statt Leistung.
Ein Wim-Hof-Kurs war wie soll ich sagen interessant, aber ich spürte: Mein Zugang ist leiser. Sanfter und intuitiver. Um ehrlich zu sein, bin ich am nächsten Tag in den See um zu sehen, ob es «wieder funktioniert», weil ich es nie harter fand ins kalte Wasser zu steigen als mit diesen Instruktionen. Ich sah wie das Menschen helfen kann, und für mich hat es nicht funktioniert.
Was in deinem Leben könnte leichter werden,
wenn du es auf «deine Art» machst statt «wie man das so macht»?
Der Sommer 2024 war ein biografischer wichtiger Moment für mich. Als mein Vater im Wasser in Griechenland starb, brach die Trauer etwas in mir auf – und gleichzeitig entstand eine neue Klarheit: Ich wollte eine bewusstere, tiefere Beziehung zum Wasser leben. Auch, um etwas nachzunähren, das zwischen meinem Vater und mir nie möglich war und mir selbst in diesem Schritt näher zu kommen. Es fiel zusammen mit unserem Umzug nach Uetikon am See, ja wirklich das heisst «am See«. Ich sah eine Einladung für mehr See und Wasser auf vielen Ebenen.
Einige Monate später startete ich meine Vollzeit-Selbständigkeit. Inmitten dieses Neubeginns wurde das Wasser auch zu meinem Anker – ein Ort, an dem ich atmen konnte, präsent sein und mich nicht verlieren in 1000+ Ideen und Ängsten. Stattdessen üben mich mit Neugier und Offenheit dem Leben, das sich auf vielen Ebenen neu ordnete, zu begegnen. Und diese mentalen Konzepte «Neugier» «Offenheit» mit einer physischen Erfahrung dazu zu verknüpfen und zu vertiefen.
Erst in diesem Zusammenspiel aus Trauer, Transformation und einer neuen beruflichen Phase fand ich wirklich «meinen Weg». Meine Kaltwasserpraxis wurde konsistenter, sanfter und klarer. Ich spürte mehr Präsenz und Achtsamkeit, nahm die Wasseroberfläche und die Berge in der Ferne intensiver wahr und genoss sie.
„Wie du etwas tust, so tust du alles.“
Welche Praxis in deinem Leben unterstützt dich
die Qualitäten zu kultivieren, die du dir wünscht?
Gerade dann, wenn alte Muster hochkamen – Perfektionismus, Selbstzweifel, alte Schutzreaktionen – wurde der See zu einem Raum, in dem ich üben konnte: Stress spüren, ihm begegnen und ihn wieder gehen lassen. Das ICH spüren unter diesem Muster: Freude und Ruhe.
Der Kälteschock ist bis heute da, weniger intensiv jedoch – und direkt danach öffnet sich ein Moment, der mich immer wie zu berühren vermag: Wärme, Ruhe und eine tiefe Durchlässigkeit. Ich fühle mich verbunden. Mit mir. Mit dem Wasser. Mit dem Jetzt. Manchmal zeigt sich das auch mit einem Lachanfall, als dürfte sich da ganz viel Energie entladen.
Was die Wissenschaft dazu sagt
Die Forschung von Dr. Susanna Søberg bestätigt das, was ich im Körper spüre: Kälte lässt kurzfristig Cortisol steigen, dieser Ausschlag ist gewollt und hilfreich. Direkt danach folgt eine messbare Erholungsreaktion, ein Umschalten in den parasympathischen Zustand.
Wiederholen wir diese Erfahrung regelmässig, trainiert der Körper schneller und verlässlicher von Aktivierung in Erholung zu wechseln. Das Nervensystem wird durch Regulation gestärkt und das wirkt natürlich weit über die Zeit im Wasser hinaus.
Über Wochen und Monate kann so:
- die Stressgrundaktivierung sinken
- die emotionale Stabilität steigen
- die Resilienz feiner und tiefer werden
Entscheidend ist die Regelmässigkeit, nicht die Dauer. 1 bis 3 Minuten reichen völlig, wichtig ist die Repetition. Die Atmung bleibt der Kompass.
Wann Kälte nicht geeignet ist
Eiswasser ist kein Tool für Phasen akuter Überlastung. Nicht bei:
- aktivem Burn-out-Zustand
- Krankheit oder Infekten
- starker Dysregulation des Nervensystems
Dann gilt: zuerst Ruhe. Keine zusätzliche Stressspitze, auch nicht die «gute». Das heisst wenn du jetzt gerade im Weihnachts-Hustle Modus bist, dann ist das vielleicht etwas was du in einer ruhigeren Phase im neuen Jahr probieren kannst.
Bei Unsicherheit ob du ins kalte Wasser gehen kannst, gilt: medizinisch abklären.
Wenn du dich ins Wasser wagst, ob am Zürisee oder in der Eisbadi Arosa – am schönsten und sichersten ist es gemeinsam.
Falls du meine Kundin bist: Du kannst mich bitten, dein Coachingthema direkt am und im See zu erkunden.
Ich bin überzeugt: Veränderung wirkt am stärksten, wenn sie erlebt wird im Körper, nicht ausschliesslich verstanden.
Hier geht’s zum Podcast von Dr. Susanna Søberg, falls du zuerst im Warmen tiefer eintauchen möchtest.
So oder so: Ein gutes Eintauchen ins Wochenende.
Danke dass du hier bist und dir diesen Moment gönnst. Wenn du magst, freue ich mich über jede Zeile von dir: Was hat Resonanz ausgelöst in diesen Zeilen?
Von Herzen alles Liebe für dich
Pia
