Autorin deines Lebens Newsletter #26: Wo spürst du das in deinem Körper?

Guten Morgen Du

Eine Frage, die ich im Coaching sehr oft stelle, ist ganz schlicht:

Wie fühlst du dich gerade?

Und fast immer folgt eine zweite:
Wo spürst du das in deinem Körper?

Diese zweite Frage wirkt manchmal ungewohnt. Oder sie bleibt erst einmal unbeantwortet. Auch das ist eine wichtige Information.

Denn das, worauf wir hier schauen, nennt sich Interozeption – die Fähigkeit, wahrzunehmen, was im Inneren unseres Körpers geschieht. Und darin gibt es ganz natürliche Unterschiede. Nicht allen Menschen fällt es gleich leicht, diese inneren Signale zu spüren.

Wenn ich im Coaching sage „spür mal in deinen Körper“, meine ich genau das: Nicht analysieren. Nicht erklären. Sondern wahrnehmen, wie sich das, was gerade da ist, körperlich zeigt.

Emotionen sind nämlich nicht nur Gedanken. Sie sind gelebte Erfahrungen. Emotionen bestehen sie aus einer Kombination von Gedanken und Körperempfindungen. Das kann sich anfühlen wie Enge, Schwere, Druck, Wärme, Kälte, Ziehen oder auch Schmerz. Manchmal sind diese Empfindungen sehr klar an einem Ort spürbar.

Wut zeigt sich zum Beispiel oft als Spannung oder Enge im Bauch.
Trauer eher als Leere oder Schwere im Herzraum.

Vertrauen und Sicherheit als Wärme in der Brust.

Wichtig: Jeder Mensch erlebt das anders.

Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“.

Warum diese Körperfrage so zentral ist?

Weil Gedanken so unglaublich schnell sind. Sie springen, bewerten, drehen Schleifen. Wenn wir nur im Denken bleiben, kann sich eine Emotion rasch aufschaukeln: Ich habe Angst → was alles passieren könnte → ich sollte keine Angst haben → etwas stimmt nicht mit mir. Ich nenne es das schnelle Gedankenkarrussel, ja, da kann es einem schnell schwindelig werden ;-).

Wenn wir stattdessen beim Körper bleiben „Da ist gerade eine Enge im Hals“, wird das Erleben oft ruhiger. Nicht, weil die Emotion weggeht, sondern weil das Nervensystem sich reguliert bei dieser Art von Aufmerksamkeit. Die Emotion darf da sein, ohne uns zu überschwemmen.

Für manche Menschen ist dieser Zugang ganz selbstverständlich. Für andere braucht es Übung. Beides ist vollkommen okay. Interozeption ist eine Fähigkeit, die wir stärken können.

Wie ist das bei dir, nimmst du deine Emotionen eher als

Gedanken wahr oder auch im Körper?

Deshalb arbeite ich im Coaching oft mit dem Körper. Mit langsamer Aufmerksamkeit. Mit Raum aufmachen und lassen. Mit Fragen, die nicht nach einer schnellen Antwort suchen, sondern nach ehrlichem Kontakt.

Vielleicht magst du es dieses Wochenende selbst ausprobieren und ein paar Mal innehalten:


Wie fühle ich mich gerade?
Und: Wo spüre ich das in meinem Körper?

Die Impulse in diesem Newsletter sind unter anderem inspiriert von der Arbeit von Dr. Kristin Neff, Associate Professor of Educational Psychology an der University of Texas und eine der führenden Stimmen zum Thema Selbstmitgefühl. Ihre Forschung bildet eine wichtige Grundlage meiner Arbeit.

Ich erinnere mich so gerne, wie ich ihr Buch Selbstmitgefühl «Wie wir uns mit unseren Schwächen versöhnen und uns selbst der beste Freund werden» neun Monate nach der Geburt von Luc las in einem wunderbaren norditalienischen Retreat-Center. 3 Tage nur für mich, fokussiertes Lesen und ganz viel Mitgefühl für mich und mein Ankommen in dieser neuen Rolle.

Das Buch und die Inhalte haben mich versöhnlich und entspannt gestimmt und mir inneren Frieden vermittelt. Und genau das wünsche ich dir für dein Wochenende: dass du dich entspannen darfst.

Vielleicht magst du das mit einer Übung (22 Minuten, in Englisch von Dr. Kristin Neff) verbinden, die deine interozeptive Wahrnehmung schärft:

Compassionate Body Scan 

Ich freue mich, von dir zu lesen, und wünsche dir gutes Wahrnehmen und feines Reinfühlen.

Herzlichst
Pia