In herausfordernden Momenten bleiben – Selbstwirksamkeit dank Atmung und Self Talk (Newsletter #28)
Vielleicht gibt es gerade eine Situation in deinem Leben – oder auch eine wiederkehrende Dynamik –, in der du dich ausgeliefert fühlst. Ein Gespräch, das dich verunsichert. Erwartungen, die dich unter Druck setzen. Oder dieser Moment, in dem dein Körper enger wird und du merkst: Ich blockiere innerlich. Genau dort beginnt für mich die Frage nach Selbstwirksamkeit. Wie trainieren wir sie eigentlich – nicht theoretisch, sondern praktisch?
Was wird möglich, wenn du dir erlaubst, in einem bewusst gewählten Rahmen deine Grenzen auszuloten? Wenn du beginnst, dich selbst zu beobachten – deine Gedanken, deine Körperwahrnehmungen, deine Impulse – ohne sie sofort zu bewerten? Wenn du nicht sofort reagieren musst, sondern erst einmal wahrnimmst?
Für mich ist das Eisbad genau so ein Raum. Ein bewusst gewählter Kontakt mit einer Komfortgrenze, in diesem Fall mit der Kälte. Kein Mutbeweis, kein „Augen zu und durch“, sondern ein Ritual. Wir kommen an, nehmen die Natur wahr, die Berge, die Oberfläche des Sees, das Licht. Wir atmen bewusst, richten uns innerlich aus auf das, was gleich kommt. Allein diese Vorbereitung verändert etwas im Nervensystem. Sie schafft Sicherheit, bevor es intensiv wird.
Dann die erste Berührung mit dem kalten Wasser – zunächst an den Beinen, später am ganzen Körper. Und genau dort wird es spannend. Der Impuls ist klar: Raus hier. Schnell. Doch statt in das Muster von „schnell hinter uns bringen“ zu kippen, üben wir, Schritt für Schritt im Unbekannten zu bleiben. In voller Präsenz. Mit einer beobachtenden Haltung.
Was nehme ich gerade im Körper wahr? Wie fühlt sich die Kälte wirklich an, jenseits meiner Bewertung? Welche Gedanken tauchen auf? Kann ich weiter atmen, auch wenn es eng und streng wird? Kann ich die Schultern entspannen, obwohl mein System Alarm schlägt? Nicht gegen die Erfahrung kämpfen, sondern lernen, sie zu regulieren. Spüren, was sich verändert – und was gleich bleibt. In die Erfahrung «reinschmelzen».
Für mich ist das eine sehr konkrete Körperübung für Frische, Selbstwirksamkeit und Selbstführung im Alltag. Das Wasser wird zum Trainingsfeld für innere Führung. Ich erfahre: Ich kann bleiben. Ich bin sicher. Ich kann mich regulieren. Ich schaffe das. Und genau diese Erfahrung trägt sich später in andere Situationen hinein – in herausfordernde Gespräche, in Entscheidungen, in Momente von Druck.
Kürzlich war ich mit meiner Nichte Elena (21) im Zürichsee und durfte sie bei ihrem ersten Eisbad begleiten. Einige Wochen später habe ich sie im Podcast „Autorin deines Lebens“ dazu interviewt. Es war berührend zu hören, wie sie die Erfahrung nicht nur als einmaliges Erlebnis beschreibt, sondern als inneres Referenzerlebnis: ein Moment, in dem sie gespürt hat, dass sie mehr kann, als sie dachte und dass Regulation trainierbar ist.
Sie hat in stressigen Momenten ein ähnliches inneres Muster erkannt wie beim Moment im kalten Zürichsee, und angewendet, was sie im Wasser erlebt hatte.
Podcast Gespräch mit Elena: https://open.spotify.com/episode/4VFSydgFq0AunLOELB2u6i?si=ay46NLFKQ7WoiwadaZue6Q&nd=1&dlsi=bc7d7d86c47242e6
Vielleicht ist deine Komfortgrenze gerade keine Kälte. Vielleicht ist es ein klares Nein. Eine Grenze. Ein ehrliches Gespräch. Eine Entscheidung, die du lange vor dir herschiebst. Die Frage ist nicht, ob es unangenehm wird. Was würde passieren, wenn du dich ruhig rein begibst und atmest und dich mit wohlwollendem Self Talk unterstützt? Du darfst. Du kannst.
Vo Härzä es schöns Wucheänd.
Herzlichst
Pia
