Autorin deines Lebens Newsletter #27: Über Übergänge, Tiefe und das, was uns wirklich stabilisiert

Foto: Übergang vom einen zum anderen Seeufer am Zürichsee mit der Fähre – ein Moment zum Innehalten auf dem Weg zu einem Coaching.

Guten Morgen Du

die letzten vier Wochen waren intensiv.

Die erste Woche war ich im letzten Leadership Retreat in Spanien. Und es war ein ganz besonderes Erlebnis – auf eine Weise, die ich so nicht kannte. Schon davor hatte ich etwas gespürt: eine tiefe Verbundenheit zuhause. Mit meiner Familie. Ein Gefühl von Ankommen und Wohlsein, das so stark war, dass ich eigentlich gar nicht weg wollte. Das war neu für mich.

Und dann war ich in Spanien. Eine Woche lang. Und auch dort: Verbundenheit. Ankommen. Ganzsein. Ein Gefühl von ich bin da – im Körper, im Herzen, im Moment. Nicht nur für mich persönlich, sondern für uns als System. Viel STAY-Qualität. Wenig Ablenkung. Ein gemeinsames Feld, in dem es sich anfühlte, als wären wirklich alle da.

In dieser Tiefe sind sehr schöne Gespräche entstanden. Begegnungen, die bleiben. Ein Gespräch hat mich besonders berührt – über innere Freiheit. Darüber, dass wir trotz aller Umstände, Rollen und Verpflichtungen jederzeit entscheiden können, aus welchem inneren Kontext heraus wir handeln und kreieren.

Dieses Gespräch war so tief, dass es mir schwerfiel, es einfach stehen zu lassen. Und gleichzeitig war es herausfordernd, diese Tiefe danach zuhause mit meinen Liebsten zu teilen. Manche Erfahrungen lassen sich nicht sofort übersetzen. Sie wollen zuerst gelebt und integriert werden.

Schon die Autofahrt weg von der Masia war aufrüttelnd. Weg von diesem Ort, an dem ich mich so ganz gefühlt hatte. Zurück in die Welt. Reize. Social Media. Lärm. Die Umstände.

Zeitlich überschneidend war mein Partner Matt für eine Woche in einem Männer-Retreat in Italien, auch er kam mit viel Tiefe und neuen Erfahrungen zurück. Und dann sind wir direkt in seinen 45. Geburtstag hineingestartet: Apéros, ein Ausflug in die Lenzerheide, viele Menschen, viel Leben.

Schön und gleichzeitig intensiv.

Ich hätte mir nach Ruhe gesehnt. Nach weniger.

Dann folgten zwei Wochen zurück im Alltag. Wieder ankommen. Und dieses bekannte Gefühl nach Retreats: Das Zuhause fühlt sich manchmal leicht unpassend an. Es entsteht eine Spannung zwischen der Grösse der Retreat-Erfahrung und der Grösse des Alltags.

Wer bin ich jetzt?
Was hat sich verändert?
Was bleibt, und was war vielleicht erst ein Vorgeschmack?

Einige Situationen haben mich enttäuscht. Es fühlte sich an, als wären die Veränderungen noch nicht „bleibend“. Und gleichzeitig weiss ich heute: Das ist eine Illusion. Sie sind da – sie sind einfach neu.

Ein ganz wichtiger Moment für mich war der Montagmorgen nach dem Retreat. Der erste Morgen zurück im Alltag. Ich durfte meinen Sohn in die Kita bringen. Mein altes Muster in solchen Übergängen kenne ich gut:

Ich bin innerlich durcheinander.

Da sind so viele Wellen.

So viele neue Ideen.

Hoch und runter.

Ich weiss noch nicht, wie ich das alles einordnen kann….


Und aus diesem inneren Zustand heraus hätte ich meine Abläufe verändert. Meine kleinen Rituale über Bord geworfen. Mich selbst – unbewusst – destabilisiert. Nicht, weil etwas falsch war, sondern weil so viel in Bewegung war.

Heute sehe ich klarer: Da spricht eine hohe Sensibilität in Übergängen aus mir. Übergänge sind für mich herausfordernd, auch weil Erfahrungen so stark in mir schwingen. Das habe ich mir lange nicht wirklich eingestanden. Geschweige denn angenommen. Oder daraus bewusst gestaltet.

Und an diesem Morgen war etwas anders. Ich habe Luc pünktlich in die Kita gebracht. Mit einem Spaziergang – so, wie es uns gut tut. Und danach bin ich meine Joggingrunde gelaufen. Genau so, wie davor auch.

Ganz normal.
Keine grossen Entscheidungen.
Kein Interpretieren.
Kein Eingreifen.

Und genau das hat mich stabilisiert.

Nicht das Verstehen.
Nicht das Analysieren.


Sondern das Bleiben in meinen kleinen, vertrauten Ritualen – mitten in einem grossen Übergang. Und daraus ist für mich etwas sehr Klar geworden: Übergänge sind keine Nebensache.


Sie sind der Ort, an dem Integration passiert.

Oder eben nicht.

Nicht nur die grossen Übergänge – von Retreat zu Alltag, von Tiefe zu Zuhause.


Sondern auch die kleinen Übergänge:

– vom Me-Time am Morgen in die Familienzeit
– von der Familienzeit in die Arbeit
– vor und nach einem Coaching
– zwischen Rollen, Verantwortungen und inneren Zuständen

Vielleicht ist das eine leise Einladung an dich:


Wo in deinem Alltag sind Übergänge gerade herausfordernd?
Und was würde dich dort nicht verändern, sondern stabilisieren?

Ich finde langsam zurück zu meinem Jahresmotto: Ruhe und Rhythmus. Schritt für Schritt mit viel Selbstakzeptanz und ein paar Holpersteinen. Für mich ist das der bewusste innere Kontext aus dem ich mit den Umständen und den Übergängen in meinem Leben sein will jetzt.

E guete Übergang i dis Weekend!

Herzlichst
Pia